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R S Ultraschalltechnik
- Firmenentwicklung
Eigentlich hat
für mich die Sache mit der Ultraschallbearbeitung Ende der
70’er Jahre damit begonnen, dass mein damaliger Arbeitgeber ein
paar kleinere Probleme mit den Zahlen hatte. Da der Arbeitgeber
ein Konzern war, sind die Zahlen und die Probleme ein wenig grösser
gewesen.
Nach Abschluss der Volksschule, (zwei Klassenzimmer mit je vier
Klassen gleichzeitig), in einem kleinen Dorf in Württemberg, und
einer Ausbildung zum Maschinenschlosser in einer etwas grösseren
Firma – die mit dem Fadenkreuz auf der Motorhaube – suchte ich meine
weitere berufliche Orientierung als Mechaniker etwa 15 chaotische
Jahre lang in den unterschiedlichsten Bereichen, darunter Motorradmotoren,
Kraftfahrzeuge, Betonfertigteile, Pumpen, Aluminiumgiesserei, Hochfrequenztrocknung,
Kartonherstellung, Webereimaschinen, Ölheizungen, Uhren, Laufwerke,
Messgeräte, Waffen und Munition, erst kleine, dann etwas grössere,
Bildröhren, Senderöhren, Vakuumtechnik. Aus diesem Spektrum an laufend
dazugewonnener Erfahrung entwickelte sich schliesslich eine Art
Universaldilletantismus. – Man kann fast alles – aber nix perfekt.
In dieser Zeit versuchte ich einfach nur mal meine Neugier zu befriedigen.
Die Neugier wurde durch die Notwendigkeit, eigene Motorrräder und
Autos wegen chronischem Geldmangel selbst zu reparieren zusätzlich
motiviert. Einige Firmen habe ich in einer sehr positiven Erinnerung,
die anderen einfach vergessen. Aus heutiger Sicht betrachtet war
es nicht verkehrt, denn ich lernte eine Menge Leute und Ihre Arbeitsweise
kennen.
Zurück zum Thema: Ich arbeitete in einer kleinen Laborwerkstatt
und versuchte meine Arbeitsergebnisse den Wünschen meiner Kollegen
anzunähern. Soweit die verfügbare Technik konventionelle Bearbeitungsarten
wie drehen, fräsen, schleifen usw. betraf, stand eine Umgebung zur
Verfügung in der die meisten Technik-Freaks feuchte Augen bekommen.
Das war auch notwendig, denn was wir herstellten lag meist der Flanke
des technisch Machbaren.
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Im
Bereich der Hartstoffbearbeitung war in meinem Labor ein Gerät vorhanden,
das etwa dem nebenstehenden Bild entsprochen hat. Die, zum Gerät vorhandene
Dokumentation beschränkte sich überwiegend auf Schaltbilder und eine
Beschreibung zum dispergieren und zum Ultraschallschweissen von Kunststoffen.
Der Kollege, der das Labor vor mir betreute, - Er wurde in eine andere
Abteilung versetzt, - erklärte mir, dass man damit Löcher in Glas
und in harte Keramik bohren könne. Irgendwo hatte ich so was ähnliches
schon mal gesehen und erinnerte mich an eine Arbeit in den 60’er Jahren
wo Versuche zur Bearbeitung von Wolfram mit einer vergleichbaren Verfahrenstechnik,
aber grösseren Maschinen durchgeführt wurden. Die Sache damals funktionierte
nicht, weil von den Verantwortlichen erklärt wurde, daß das Verfahren
wohl nicht zur Bearbeitung Wolfram und so geeignet sei. Aus heutiger
Sicht: Die haben das einfach nicht begriffen. |
Nachdem
mir mein Vorgänger seine Kenntnisse vermittelt hatte und die
übrigen Kollegen sich bemühten mir das elektrische Analogon der Ultraschalltechnik
in Form von Ersatzschaltbildern zu verklickern. - Elektriker haben
immer ein Ersatzschaltbild, - versuchte ich in den Zeiten in denen
die Arbeit nicht so dicht war, mich mit dem Gerät anzufreunden. Gleichzeitig
stöberte ich in der sehr umfangreichen Werksbibliothek nach weiteren
Unterlagen zum Thema, um festzustellen, daß darüber ausser Werbung
und spärlicher Literatur in englischer Sprache kaum Veröffentlichungen
existierten. Meine Kollegen hatten einige Wünsche, die nach meiner
Vorstellung mit dem Gerät lösbar wären, wenn ich es erst mal nach
meinen, - damals noch recht nebulösen, - Vorstellungen zum Laufen
bringen würde.
Der einfachste Weg dazu war, mal den Maschinenhersteller zu besuchen
und Fragen zu stellen. Bei meinem ersten Besuch bei KLN in Heppenheim
lernte ich Herrn Gigerich kennen, der die Verfahrenstechnik in der
Firma schon seit längerer Zeit betreute. Er arbeitete schon bei Dr.
Lehfeldt und hatte die gesamte Maschinen- und Verfahrensentwicklung
miterlebt. Die Maschine, mit der Er arbeitete – ein selbstgestricktes
Diatron CN mit einer Menge Experimentiergerät drumrum - hatte mit
meinem, doch etwas kümmerlich erscheinenden Laborgerät nicht viel
gemein.
Einen halben Tag und einige Kostproben aus seinem Weinberg – ähnlich
Heppenheimer Stemmler – weiter, fuhr ich voll Optimismus wieder nach
hause und begann in den folgenden Monaten intensiv mit dem Gerät zu
spielen. Meine Kollegen haben mir dabei, - soweit es sich um Elektrik
und gute Ratschläge handelte, - sehr geholfen. Hier sollte mal erwähnt
werden, dass wir ein exzellentes Betriebsklima hatten und die Arbeit
wirklich interessant war.
Nach dem Besuch in Heppenheim begann ich mit Unterstützung meiner
Kollegen das Laborgerät umzubauen. Was dabei herausgekommen ist, sehen
Sie auf dem folgenden Bild. Bei dem Foto handelt es sich um eine ältere
Polaroid-Aufnahme, die im Lauf der fast 30 Jahre etwas gelitten hat.
(So ähnlich wie um die Maschine sah es auch im übrigen Labor
aus).
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Die
Maschine auf der Basis eines KLN - Dispergiergeräts besaß folgende
Eigenschaften:
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100 Watt Generator mit piezoakustischem Ultraschallsystem. |
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nahezu
kraftfreie Schallkopfnachführung, realisiert durch Ausgleichsfedern,
(später mit Gegengewicht und Umlenkrollen), einen Airpot.
und einen kleinen regelbaren Getriebemotor mit Nachführspindel. |
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Schleifmittelumwälzung
und –absaugung mit Hilfe einer Mehrkanal-Schlauchpumpe, |
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Einen
Mikrometer-Stelltisch mit einer Elektromagnetspannplatte, die
später wegen der Erwärmung gegen eine Permanentmagnetspannplatte
ausgetauscht wurde |
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Damit waren brauchbare
Teile mit kleinen Abmessungen herstellbar. Die Bearbeitung war infolge
der geringen Leistung recht langwierig und die Probleme bei der Werkzeugabstimmung
auch nicht ganz ohne.
Aus heutiger Erkenntnis lag das Hauptproblem darin, daß die Sonotroden
eine wesentlich grössere Masse hatten als das restliche Ultraschallsystem
und dessen Betriebsfrequenz bestimmten. Hierdurch zwingt die Sonotrode
mit dem Werkzeug den Erreger auf Ihre Resonanzfrequenz. Da jedoch
Generator und Erregersystem eine eigene Resonanzfrequenz haben, die
vom Hersteller definiert ist, sollte die Sonotrode zusammen mit dem
Werkzueg auf diese Frequenz abgestimmt werden. Ohne die Möglichkeit
der Messung der Resonanzfrequenz von Werkzeug und Sonotrode ergibt
sich im Betrieb eine Mischfrequenz, die mit entsprechenden Verlusten
behaftet ist. Die Resonanzfrequenz der Sonotrode verändert sich im
Betrieb zusätzlich durch die Bedämpfung der nun vorhandenen Schleifmittelsuspension,
die Erwärmung und den Werkzeugverschleiss.
Die Resonanzfrequenz der Sonotrode verändert sich im Betrieb durch
die Bedämpfung der nun vorhandenen Schleifmittelsuspension, die Erwärmung
und bei länger andauernder Bearbeitung durch den Werkzeugverschleiss.
Die hierdurch entstehende zusätzliche Fehlanpassung beschleunigt wiederum
die Erwärmung der Sonotrode und das relativ kleine Volumen an Schleifmittelsuspension.
Die Folge ist, dass entweder das Werkzeugprofil reißt, sich die Kittstelle
löst, oder der Generator aus dem Fangbereich kommt und der Prozess
in allen Fällen sein Ende findet. Passiert dies innerhalb einer Bohrung
entstehen einige grössere Probleme beim Entfernen des Werkzeugs aus
der Bohrung.
Dieses Gerät gab meinen Kollegen und mir Gelegenheit, einiges über
die Ultraschallbearbeitung dazuzulernen. Die so erworbenen Erfahrungen
wurden durch gelegentliche Besuche bei Herrn Gigerich in Heppenheim
ergänzt.
Ende der 70’er Jahre schied Herr Gigerich, aus der Firma KLN aus und
der damalige Geschäftsführer Herr Bellut, bot mir an, auf der Basis
einer Nebenbeschäftigung Herrn Gigerichs Nachfolge anzutreten.
Nach kurzer Überlegung sagte ich zu und begann zuhause eines der beiden
Badezimmer zum Labor umzubauen. Zwei Wochen später war ich stolzer
Besitzer einer neuen Ultraschallbohrmaschine und begann damit zu experimentieren.
Meine Erfahrungen wurden nun von zwei Seiten laufend erweitert. Einmal
durch die neuen Aufgaben, oft an teilweise völlig neuen Werkstoffen,
die durch KLN an mich herangetragen wurden und den Kontakt mit den
Kunden von KLN. Zum andern dadurch daß die Aufgabenstellungen an meinen
Arbeitsplatz, durch die neue Maschine in Ihrer Problematik stark reduziert
und durch die bessere Verfügbarkeit einer reproduzierbaren Verfahrenstechnik
auch beschleunigt wurden. Teile, an denen ich vorher tagelang arbeitete
entstanden nun innerhalb weniger Minuten oder Stunden mit einem erheblich
verbesserten Ergebnis. In der Folge wurde die Entwicklung an dieser
Stelle etwas beschleunigt und Zeit für andere Aktivitäten gewonnen.
Gleichzeitig vergrösserten sich die persönlichen Freiräume in jeder
Beziehung.
Dies war auch die Zeit, als der Computer in mein Leben trat. Damals
noch mit zwei Diskettenlaufwerken und 256 kB Arbeitsspeicher. Sauteuer
und strohdumm - damals wie heute geeignet, sich die Nächte um die
Ohren zu schlagen. Lediglich die Vorzeichen und die Ergebnisse – und
natürlich die Preise - haben sich geändert.
Aufgrund der weiteren Entwicklung im Bereich der Werkstoff-Forschung,
die durch die Entwicklung einer Gasturbine bei einem grösseren, schon
eingangs mal erwähnten Unternehmen, zusätzlichen Auftrieb erhielt,
wurde, war die Entwicklung neuer Maschinen für die gestiegenen Anforderungen
der Kunden von KLN erforderlich.
Gleichzeitig traten auch neue Maschinenhersteller am Markt auf, die,
meist vertikal, - von oben nach unten oder von unten nach oben, -
arbeitende Maschinen im Angebot hatten. In dieser Zeit wurden von
Forschungseinrichtungen Vortragsreihen, initiiert durch die neuen
Maschinenhersteller, veranstaltet und die Ultraschallbearbeitung unter
neuen Begriffen neu aufgerollt.
Einige der Leute, die sich mit der Maschinenentwicklung beschäftigten
durfte ich kennenlernen. In besonders angenehmer Erinnerung ist mir
dabei Herr Bory, ein Vollblutentwickler, von der Firma Hansen in Wattwil,
(CH) geblieben. Er entwickelte aus einer Senkerodiermaschine eine
Ultraschallbearbeitungsmaschine mit einer sehr ausgefeilten Sensorik,
die heute in ähnlicher Form von der Firma DAMA gebaut wird.
In dieser Zeit wurde der Platz im umgebauten Badezimmer und den zwei
weiteren, inzwischen zusätzlich von der 7-Zimmer-Wohnung requirierten
Arbeitszimmer zu eng – Expansion war angesagt. Also wurde ein Ladengeschäft
in Ulm angemietet und zum Labor umgestrickt. Später in die Nähe des
Labors umgezogen um den Weg zu den Arbeitsplätzen zu reduzieren.
In den frühen 80’er Jahren wurden von KLN in Heppenheim in einem
relativ kurzen Zeitrahmen das Diatron CN 300, das Diatron CX und das
Diatron CN 150 entwickelt und an den Markt gebracht.
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Ein
Bild vom Transport des etwa zwei Tonnen schweren Diatron CX durch
das Schaufenster meines damaligen „Hobbyraums“. Nun war ich stolzer
Besitzer von zwei Ultraschallbohrmaschinen und hatte als Totalanfänger
die einmalige Gelegenheit die Maschinenprogrammierung auf 6, teilweise
überlagerten Achsen in Verbindung mit einer frei programmierbaren
Steuerung, (400 Zeilen á 80 Zeichen), zu lernen, die zu zwei
Dritteln schon durch die Grundbetriebsdaten der Maschine belegt war.
Nach einigen Anfangsproblemen lief die Sache besser als erwartet. |
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Mal einige Worte
zu unserer Entwicklungsphilosophie: Bei sämtlichen Maschinenentwicklungen
die ich betreuen durfte lag das Hauptaugenmerk auf der einfachen
Bedienung und der Reduzierung des Energieeintrags in den zu bearbeitenden
Werkstoff. Damit verbunden ist zwangsläufig eine möglichst kurze
Eingriffszeit des Werkzeugs was teilweise mit einer entsprechend
aufwendigen Präparation des Werkstücks und des Werkzeugs verbunden
ist. Ausserdem war die Grundforderung, unserer Kunden dass die Maschine
nach Unterweisung von einem Durchschnittsmenschen, möglichst
durch angelernte Arbeitskräfte, bedienbar ist. Probleme hatten
meist nur die Arbeitsvorbereitungen in grösseren Betrieben
wenn die Ultraschallbearbeitung neu eingeführt wurde.
Mit den neu entwickelten Maschinen stieg der Arbeitsanfall und natürlich
auch der Umsatz in allen Bereichen. Das ging so weiter bis zur sogenannten
„Wende“.
Mit dem Zusammenbruch der Ostblockstaaten und der Öffnung der DDR-Grenze
brach der Markt an allen Fronten ein und erforderte sowohl bei mir
als auch bei meinen Arbeitgebern und Geschäftspartnern ein
totales Umdenken im Hinblick auf zukünftige Perspektiven.
Nach Öffnung der DDR-Grenze verbrachte ich den größten Teil meiner
Freizeit in den neuen Bundesländern – die ich vorher nicht besuchen
konnte - um zu sehen worauf das bis 1989 in den westlichen Staaten
dargestellte Feindbild basierte. - Das Ergebnis in einem Satz: Es
war aus meiner Sicht eine ununterbrochene und langwierige Besichtigung
potemkinscher Dörfer, verbunden mit teilweise endlosen "was
wäre wenn" Diskussionen.
Der folgende Zusammenbruch des Wirtschaftssystems in Ostdeutschland,
verbunden mit einer auch heute noch weiter zunehmenden Demotivierung
der Menschen, – insbesondere der Jugend, - war aus meiner Sicht
wohl kaum vermeidbar und wurde durch ausgedehnte Spekulationen gefördert.
Ob die heute betriebene Politik in der Lage sein wird, die Situation
nachhaltig zu verbessern, bezweifle ich. Vermutlich wird die Situation
in den nächsten Jahren mangels eines Angebots an vernünftigen
Perspektiven an die Jugendlichen und durch den Beitritt weiterer
osteuropäischer Staaten zur EG noch wesentlich angespannter.
Auf der IENA 1989, (eine Erfindermesse), in Nürnberg lernte ich
neue Leute kennen, woraus nach weiteren drei Jahren die Idee einer
Firmengründung in Thüringen entstand die 1992 umgesetzt wurde. Bedauerlicherweise
waren die Interessen und das Denken der übrigen, an der Gesellschaft
Beteiligten ausschliesslich ökonomisch orientiert – was nach weiteren
zwei Jahren die Pleite der Firma zu Folge hatte. Auf Details will
ich hier nicht eingehen.
Ich kann nur jedem Firmengründer empfehlen, - wenn er die Sache
mit Partnern macht – sich laufend über den Geschäftsgang anhand
der „belegbaren“ Zahlen zu informieren. Später wird er möglicherweise
dafür haften. Aus meiner persönlichen Erfahrung ist es sinnvoller,
eine Firma alleine zu gründen.
Nachdem die GmbH pleite war, haben wir 1994 mangels Masse und anderer
Alternativen mit null angefangen und die Sache neu aufgebaut. Seit
1997 ist unser Firmensitz in Blankenhain in Thüringen.
Seitdem entwickelt sich des Unternehmen durch steten personellen
Anbau und laufenden Ausbau der Technik entsprechend unseren Vorstellungen.
Im
März 1995 - Rainer Schmieg
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