Kitten, Kleben, Entkitten und Reinigen
Da mit
der Ultraschallbearbeitungstechnik überwiegend hart-spröde Werkstoffe
bearbeitet werden, sollte zur Vermeidung von Spannungen im Werkstück
die Montierung der Werkstücke durch Kitten erfolgen. Zwar besteht
die Möglichkeit, Werkstücke zur Bearbeitung in Vorrichtungen zu
spannen, was jedoch immer mit der Gefahr verbunden ist, daß sich
während der Bearbeitung Spannungen lösen und zur Bildung von Rissen
oder zum Bruch der Werkstücke führen. Die von uns praktizierte Technik
sieht grundsätzlich das aufkitten der Werkstücke vor.
|
| Hierzu bestehen
mehrere Möglichkeiten: |
|
-
|
Kitten
mit Heißkleber, Arbeitstemperatur zwischen 40°C und 160°C |
|
-
|
Kitten
mit Kaltkitt lösungsmittelhaltig, Verarbeitung bei Raumtemperatur |
|
-
|
Kitten
mit Kaltkitt, IR oder UV-Kleber. Verarbeitung bei Raumtemperatur |
|
-
|
Montierung
durch anfrieren, Arbeitstemperatur zwischen -40°C und -10°C
|
|
Darüber hinaus
sind noch einige andere Verfahrenstechniken zur Werkstückmontierung
bekannt, die auf die besonderen Eigenschaften der Werkstoffe abgestimmt
sind, zum Beispiel zur Montierung von akustisch empfindlichen, monokristallinen
Werkstoffen.
Kitten
mit Heißkleber
Ist
die am weitesten verbreitete Form der Werkstückmontierung. Hierzu
wird das Werkstück mit der Bearbeitungsunterlage erwärmt und der
Kitt, - wenn die Schmelztemperatur erreicht ist, - auf beide Teile
aufgebracht.
|
Die
Erwärmung erfolgt abhängig von den Anforderungen des zu bearbeitenden
Werkstoffs, (Empfindlichkeit gegen Temperaturgradienten), auf einer
geeigneten Heizplatte oder in einem Wärmeschrank.
Anschliessend
werden die Teile zusammengefügt und nach Korrektur der Position zum
Erkalten abgestellt.
Die Abkühlung
kann, - wenn der Kitt fest ist - bei unempfindlichen Werkstoffen im
Wasser oder durch Ablegen auf einer Aluminiumplatte erfolgen oder
- abhängig von den Anforderungen des zu bearbeitenden Werkstoffs,
(Empfindlichkeit gegen Temperaturgradienten), - geregelt in einem
Wärmeschrank.
Das Spektrum
der hierbei verwendeten Kitte reicht von FB-Wachsen, (Zuschlagstoffe
zu Bohnerwachs), mit einem Schmelzpunkt zwischen 25°C und 40°C über
Bitumen, Stearin, Chitin zu Colophonium, Siegellack mit unterschiedlichen
Mischungsanteilen anderer Stoffe wie Bienenwachs etc.
Siegellack
mit unterschiedlichen Mischungsanteilen anderer Stoffe wie Bienenwachs
etc.Zur Stabilisierung der Kittschichten werden dem Kitt oft mineralische
Stoffe, z.B. Quarzmehl, Bimsmehl, Kreide, Gips oder gelegentlich auch
Schleifmittelkörnungen, << 20 µm zugemischt um eine höhere Tragfähigkeit
zu erhalten.
|
|
Kitten
mit Kaltkitt - lösungsmittelhaltig
Wird
überwiegend bei der Bearbeitung poröser Werkstoffe zum Verschluss
der Poren eingesetzt. Lösungsmittelhaltige Kaltkitte sind flüssig
und von geringer Viskosität. Sie werden meist auf die Weise verarbeitet,
dass das Werkstück in die Kittflüssigkeit gesetzt und in einem Exikator
evakuiert wird.
Beim vorsichtigen
Belüften drückt die eindringende Luft die Flüssigkeit in die Poren
und verschließt dieselben. Anschliessend wird das Werkstück aus
der Flüssigkeit genommen und das Lösungsmittel im Trockenschrank
ausgeheizt.
Durch den Verschluss der Poren wird die Bearbeitung erheblich vereinfacht.
Nach der Bearbeitung wird der Kitt mit dem gleichen Lösungsmittel
wieder ausgewaschen.
Bei porösen keramischen Werkstoffen wird zum Verschluss der Poren
auch Stearin eingesetzt, das nach der Bearbeitung ausgebrannt wird.
Kitten mit Kaltkitt - IR oder UV Kleber
Ist hauptsächlich im Bereich der Bearbeitung optischer Komponenten
und in der technischen Glasbearbeitung verbreitet. Ob IR- oder UV-
Kleber verwendet werden, ist vom Transmissionsverhalten des zu bearbeitenden
Werkstücks abhängig.
Da der Kittvorgang nach der Präparation meist nur einige Sekunden
Belichtungszeit erfordert ist mit dieser Form der Montierung eine
sehr rationelle Bearbeitung von Serienteilen möglich.
Die zu bearbeitenden Teile werden positioniert und anschliessend
mit einer entsprechenden Einrichtung belichtet. Auch hier sollte
der Arbeitsbereich des Werkzeugs unbedingt blasenfrei gehalten werden.
Montierung
durch anfrieren
Ist
eine in der Serienbearbeitung von Werkstoffen, - die unempfindlich
gegen Temperaturgradienten sind, - verbreitete Form der Werkstückmontierung.
Hierzu wird das Werkstück mit der Bearbeitungsunterlage auf einem
Peltierelement mit Wasser benetzt und mit Hilfe des Peltiereffekts
angefroren.
Nach der Bearbeitung wird das Peltier-Element umgepolt, Es erwärmt
sich und das bearbeitete Werkstück kann abgenommen werden.
Bei Durchbohrungen ist darauf zu achten, daß die Eisschicht im Durchtrittsbereich
des Werkzeugs möglichst dünn, jedoch blasenfrei ist.
Diese Form der Montierung ist nur für Werkstoffe geeignet, die unempfindlich
gegen hohe Temperaturgradienten oder Thermoschock sind. Zur Beschleunigung
der Arbeitsgeschwindigkeit empfiehlt sich eine Vorkühlung der Teile.
Ein Anwendungsbereich ist zum Beispiel die Serienfertigung von Pressglasteilen.
|
| Beispiele
einiger Kittsorten und Ihrer Anwendung |
|
Kittart
|
Verarbeitungs-
temperatur
|
Lösungs-
Reinigungsmittel
|
Anwendungsbereiche
|
|
|
FB-Wachse
|
25°C
bis 70°C
|
Isopropanol
|
Poröse
Werkstoffe
|
|
Colophonium-Bienenwachs
|
60°C
bis 120°C
|
Alkohol
/ Spiritus
|
Universell
|
|
Bitumenverbindungen
|
50°C
bis 100°C
|
Waschbenzin
|
Waschbenzin
|
|
Ceresine
|
40°C
bis 90°C
|
Nitro-Verdünnung
|
Nitro-Verdünnung
|
|
Chitin-Kitte
|
120°C
bis 160°C
|
CFK
|
Universell
|
|
Sager-Zement
|
ca.
120°C
|
Wasser
kochend
|
Universell
|
|
Tan-Wax
|
80°C
bis 120°C
|
Alkohol
/ Spiritus
|
Universell
|
|
Epoxydharze
|
20°C
bis 200°C
|
Dimethylformamid
|
Dimethylformamid
|
|
FB-Wachse und
Stearin, sowie einige, in der Waferverarbeitung übliche, wasserlösliche
Kitte müssen für den einzelnen Anwendungsfall geprüft werden.
Entkitten / Reinigen
Zum Entkitten bestehen zwei Möglichkeiten. Zum einen können die
bearbeiteten Teile einfach in das Lösungs- / Reinigungsmittel gesetzt
werden und dort verbleiben, bis die Kittstelle gelöst ist. Abhängig
von der Kitt / Reinigungsmittelkombination kann das schon mal einige
Tage dauern, wenn die Flächen entsprechend groß sind.
Bei der Auswahl der Reinigungsflüssigkeiten und des Verfahrens ist
unbedingt die Bildung von Dämpfen und die Entflammbarkeit zu berücksichtigen.
Zum andern kann das bearbeitete Werkstück über die Verflüssigungstemperatur
des Kittes erwärmt werden und das Werkstück von der Unterlage abgehoben
werden.
Hierbei ist darauf zu achten, daß wirklich abgehoben und nicht zur
Seite verschoben wird. Bei seitlichen Verschiebungen besteht die
Gefahr, daß Schleifmittelkörner die Oberfläche des Werkstücks beschädigen.
Die anschließende Reinigung kann problemlos in einem Ultraschallbad
erfolgen. Dabei erwies es sich als zweckmäßig, in die mit Wasser
gefüllte Ultraschall-Schwingwanne einen Glas- oder Metallbehälter
mit dem eigentlichen Reinigungsmedium einzusetzen. Dieses Verfahren
verlängert die Lebensdauer der Ultraschallschwingwanne und vereinfacht
die Reinigung.
Bei der Ultraschallreinigung ist zu beachten, daß durch die Ultraschalleinwirkung
eine zusätzliche Erwärmung stattfindet..
Seitenanfang
zur Startseite
|
|